Erst kürzlich hat mich mal wieder jemand gefragt, warum ich eigentlich Musiker geworden bin. Und um ehrlich zu sein, hatte ich darauf spontan keine Antwort parat. „Weil ich es liebe Musik zu machen?“ Nein, diese Aussage wäre für mich kein ausreichender Grund. Denn genauso wie ich es liebe Musik zu machen, liebe ich auch italienisches Essen. Trotzdem kann ich mich davon nicht jeden Tag bis ans Ende meines Lebens ernähren. Und bei deiner Karriere als Schlagzeuger ist das ganz ähnlich: Es reicht nicht aus, nur Spaß an dem zu haben was du tust. Vielmehr brauchst du eine große Portion Leidenschaft, Ausdauer und Durchhaltewillen, um im Musikgeschäft Fuß zu fassen und langfristig erfolgreich zu sein.
Berühmt, berüchtigt, erfolgreich: Was treibt dich als Musiker an?
Wer den Film „The Dirt“ gesehen hat, ein Biopic über die Band Mötley Crüe, könnte meinen, dass es als Profimusiker nur um wilde Partys, teure Hotels, Groupies und ausverkaufte Stadion-Tourneen geht. Tatsächlich kann das Leben als Schlagzeuger einer erfolgreichen Band solche Facetten haben. Die Realität sieht in den meisten Fällen jedoch so aus, dass man 16 Stunden am Tag arbeitet, dazu noch einen Nebenjob hat, immer darauf achten muss, das günstigste Essen zu kaufen und es manchmal trotzdem schwierig ist, seine Miete zu bezahlen. Trotz dieser großen Hürden nehmen sehr viele Musiker so ein Leben in Kauf, um in einem kleinen oder mittelgroßen, ausverkauften Club auf der Bühne zu stehen.
„Wer Musik nur macht um berühmt zu werden, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.“ Diese Regel besteht meiner Meinung nach bis heute und bisher konnte mich noch niemand vom Gegenteil überzeugen. Denn der Traum vom Ruhm allein gibt dir niemals die Kraft und die Leidenschaft, die du brauchst, um als Schlagzeuger erfolgreich zu sein. Betrachte den Ruhm daher eher als Sahnehäubchen, das du mit ein bisschen Glück und viel harter Arbeit zusätzlich zu deiner Karriere als Schlagzeuger erhältst.
Wenn Freunde und Familie an deiner Musikkarriere zweifeln
Wenn du versuchst im Musikgeschäft erfolgreich zu sein, wirst du möglicherweise zu deiner Überraschung feststellen, dass du nicht viel Unterstützung von deinen Freunden und deiner Familie bekommst. Denn Außenstehende können deine Ambitionen oft nicht nachvollziehen. Vielleicht fragen sie dich besorgt: „Und du meinst, du kannst es wirklich als Schlagzeuger schaffen?“ So eine Frage kann einen natürlich ganz schön entmutigen. Doch wenn du auf die Zustimmung aus deinem engsten Kreis wartest, wirst du mit deiner Musikkarriere wahrscheinlich schon am Ende sein, ehe sie so richtig begonnen hat.
Zum Glück habe ich schon früh verstanden, dass mich Familie oder Freunde eigentlich nur unterstützen und vor größerem Schaden bewahren wollen. Trotzdem können diese Leute selbst nach zehn Jahren, die ich bereits im Musikgeschäft tätig bin, nicht verstehen, warum ich in einem Bereich arbeite, der seelisch oft stark belastend ist und gleichzeitig keinen sicheren Weg zu nachhaltigem Erfolg bietet. Nach meiner Erfahrung sind solche Gespräche oft eine Hürde, an der viele angehende Musiker scheitern und das betrifft nicht nur uns Schlagzeuger.
Erfolgreich als Musiker zu arbeiten – was heißt das?
Oft habe ich es zudem erlebt, dass bei solchen Gesprächen ein weiteres abschreckendes Argument genannt wird, etwa so: „Michael hat es doch auch nicht geschafft – und du weißt, wie talentiert er ist…“ Da frage ich mich immer, wie jemand für andere beurteilen will, ob sie es in ihrem Leben „geschafft“ haben oder nicht. Michael hat vielleicht bis jetzt keine ausverkaufte Stadion-Tour quer durch Europa gespielt oder eine Goldene Schallplatte bekommen und damit sicher nicht den Erfolg gehabt, den manche seiner Freunde von ihm fast schon erwartet hätten. Denn viele Menschen außerhalb des Musikgeschäfts setzen Erfolg mit dem Status eines Megastars gleich. Doch wenn du ein Superstar werden willst, dann brauchst du zum einen die finanzielle Unterstützung eines Labels oder Investors und zum anderen solltest du darüber nachdenken, eher als Sänger oder Songwriter zu arbeiten und nicht als Schlagzeuger. Aber darum geht es doch eigentlich gar nicht. Ist es nicht schon großartig und ein Erfolg, wenn jemand jahrelang im Musikbusiness arbeitet, damit den Lebensunterhalt finanziert und sich sogar die eine oder andere Woche Urlaub leisten kann?
In dem Ort, in dem ich mein Studio habe und meine eigene Musik produziere, gibt es ein kleine Winzergenossenschaft. Dort werden fantastische Weine hergestellt und die Angestellten haben Spaß an der Arbeit. Der Laden ist ansprechend eingerichtet und das Betriebsklima ist sehr gut. Die Verantwortlichen scheinen alles richtig gemacht zu haben. Würde man trotzdem sagen, sie sind nicht erfolgreich, nur weil sie nicht so weltbekannt sind wie Sogrape Vinhos, das größte Weinhandelsunternehmen Portugals? Ich glaube nicht. Und wie sieht es mit der etablierten Buchhandlung zwei Straßen weiter aus, die zwar nur fünf Angestellte hat, aber von ihren Kunden fast schon verehrt wird? Sollte man der Besitzerin einen Mangel an Erfolg vorwerfen, nur weil ein Unternehmen namens Amazon ein paar mehr Bücher verkauft? Du verstehst sicher, worauf ich hinaus will. Aber offenbar ist das Musikgeschäft einer der wenigen Bereiche, in dem der Begriff „es schaffen“ zwingend mit weltweitem Erfolg und großer medialer Aufmerksamkeit verbunden wird. Dabei liegt die Definition von Erfolg immer noch im Auge des Betrachters.
Deine Ziele als Schlagzeuger
Dein vorrangiges Ziel sollte meiner Meinung nach deshalb nicht das Streben nach Ruhm sein – sondern das Erreichen deiner eigenen Ziele als Schlagzeuger. Denn wenn du nur auf den großen Erfolg wartest, dann wird dieser niemals kommen. Wer soll dich in dem heutigen, unüberschaubaren Musikmarkt entdecken? Natürlich gibt es Ausnahmen. Doch ein solcher Glücksfall ist wohl ebenso wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Stattdessen solltest du dir lieber einen professionellen Ruf aufbauen. Denn in der Regel bevorzugen Bands und Künstler Schlagzeuger, mit denen sie bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben – und auf die sie sich verlassen können. Deshalb ist ein gut gepflegtes Netzwerk die wichtigste Voraussetzung, um Erfolg im Musikgeschäft zu haben.
Trotzdem kenne ich viele Musiker, die sich offenbar einfach zurücklehnen und darauf warten, dass sich der große Erfolg von selbst einstellt. Nach meiner Beobachtung wissen viele dieser Musiker überhaupt nicht genau, welche Ziele sie eigentlich erreichen möchten. Eines weiß ich aber sicher: „Rockstar werden“ ist kein sehr cleveres Ziel. Denn das ist viel zu unklar formuliert. Was bedeutet das genau? Ausverkaufte Stadien? Mehrere Radio-Hits? Viel Geld verdienen? Oder alles zusammen?
Plane deine Karriere im Musikgeschäft
Früher habe ich meine Ziele tatsächlich so formuliert. Vor längerer Zeit begann ich jedoch, meine Strategie zu überdenken. Warum? Ein Freund hatte mir erzählt, dass er sich genau überlegt, wo er in einem Jahr, in fünf Jahren, in zehn und in 25 Jahren stehen will. Deshalb habe auch ich vor einiger Zeit angefangen, intensiv über diese Fragen nachzudenken – und ich kann dir nur empfehlen dasselbe zu tun. Denn seitdem weiß ich ganz genau, worauf ich jeden Tag hinarbeite. Lass uns einmal folgendes Szenario durchspielen: Du warst die letzten Jahre viel auf Tourneen unterwegs und möchtest jetzt weniger reisen. Deshalb planst du, in Zukunft mehr Zeit in deinem Studio zu verbringen. Wie könnte dein Aktionsplan dazu aussehen?
Ein-Jahres-Plan: Mit fünf Kunden ein Album produzieren, wovon mindestens drei Songs in einer der angesagten Spotify-Playlists landen.
Fünf-Jahres-Plan: Alle Songs, auf denen du getrommelt hast, wurden zusammengenommen mehr als eine Million Mal gestreamt. Du erhältst ein stabiles Einkommen und kannst deine Familie ernähren.
10-Jahres-Plan: Du bist der Eigentümer deines eigenes Studios mit einem monatlichen Einkommen von 7.500 Euro und insgesamt mehr als 10 Millionen Streams bei Spotify.
25-Jahres-Plan: Du besitzt eines der weltweit angesagten Residential-Recording-Studios, in dem du mit verschiedenen Künstlern und Produzenten arbeitest. Dass es dort eine lange Warteliste gibt, ist ja klar. :)
Erfolg als Musiker hängt nicht vom Alter ab
Sobald du dieses grobe Konzept erstellt hast, kannst du einen Schritt weiter gehen und deinen Zielen weitere Details hinzuzufügen. Mit welchen Künstlern möchtest du gern arbeiten? Gibt es Genres, die du bevorzugst? Welches Equipment möchtest du in Zukunft benutzen? Wie wird dein Tagesablauf aussehen? Je mehr du hier ins Detail gehst desto besser. Drucke den Plan aus und hänge ihn dir an die Wand im Schlafzimmer. Dadurch wirst du deine Ziele garantiert nicht mehr aus den Augen verlieren. Setzte hinter jeden Meilenstein, den du erreicht hast, einen Haken und versuche, die Ziele deines Ein-Jahres-Plans auch am Ende des ersten Jahres erreicht zu haben.
Bisher habe ich nur wenigen Menschen von dem Konzept erzählt und bei einigen hat es die folgende Reaktion ausgelöst: Bist du nicht schon viel zu alt, um so langfristigen Erfolg im Musikgeschäft zu planen? Ich würde sagen: nein. Denn wie immer kommt es darauf an, was deine Ziele sind. Außerdem hat das Alter eines Menschen absolut nichts mit dessen Erfolg oder Talenten zu tun. Denke einmal an Butch Vig, der mit 35 Jahren das Album „Nevermind“ von Nirvana produzierte und erst mit 40 den Durchbruch mit seiner Band Garbage hatte. Neil Young war 44, als er „Rockin’ in the Free World“ veröffentlichte und Leonard Cohen brachte im Alter von 50 Jahren das unglaublich erfolgreiche Stück „Halleluja“ heraus. Du siehst: Wenn du hart genug arbeitest, wirst du es schaffen – egal wie alt du bist.
Wer hat es geschafft, was bedeutet Erfolg?
Zum Schluss möchte ich die Frage beantworten, was es für mich heißt, „es zu schaffen“. Meiner Meinung nach hast du es im Musikbusiness „geschafft“, wenn du durch deine kreativen Talente und dein Können als Schlagzeuger alle deine Rechnungen bezahlen kannst und es dann noch reicht, um ein angenehmes Leben zu führen. Denn wenn du über soviel Geld verfügst, dass du deine Entscheidungen nicht mehr abhängig von der Bezahlung treffen musst – dann hast du eine Freiheit erreicht, von der viele Menschen ihr Leben lang nur träumen können.
Jetzt interessiert mich deine Meinung: Was bedeutet für dich „es zu schaffen“? Was heißt für dich Erfolg und bist du bereits dort angekommen wo du sein willst? Lass es mich in den Kommentaren wissen. Ich freue mich von dir zu hören!


